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Weltcup Miyazaki

2016-10-29

Der letzte Wettkampf der Saison stand in Miyazaki in Japan auf dem Programm. Im Süden Japans war es noch angenehm warm. Die Region hat mir mit vielen Wäldern und feuchtem Klima sehr gefallen. Zusätzlich war das offizielle Hotel ein Sheraton-Hotel. Da es keine anderen in der Nähe gab, mussten wir leider 320€ pro Nacht für zwei Personen zahlen. Dafür hatte ich das luxuriöseste Hotelzimmer jemals. Es war sogar grösser als mein Appartement in Saarbrücken. Einem guten Wettkampf stand also eigentlich nichts im Wege.

Das Rennen selbst fing dann auch perfekt an. Beim Weltcup in Tongyeong eine Woche vorher bin ich noch an zweiter Position geschwommen und fand das ziemlich hart. Deswegen habe ich mir diesmal nicht so viel Mühe gegeben, in den ersten Reihen zu schwimmen. Und dafür konnte ich dann einfach ganz entspannt an 8.-10. Position mittreiben und nur ab und zu mal einen Platz nach vorne sprinten. So konnte ich viel Kraft sparen und als fünfter dem Wasser zu entsteigen ist perfekt für meine Taktik.

Mit einem schnellen Wechsel und einem harten Antritt auf dem Rad kann ich dann gleich alle vor mir einsammeln und eine Gruppe bilden. Dafür braucht man eher 8-10 Mann, deswegen ist es gut, nicht gerade als erster an Land zu gehen. Genau so habe ich es dann auch ausgeführt. Zu Beginn bin ich für zwei Kilometer einfach alles komplett vorne gefahren und habe extrem Druck gemacht. So konnte ich das Feld vorne zerreissen und eine Acht-Mann-Spitzengruppe formen. Das war die perfekte Voraussetzung für einen Fluchtversuch, den ich mir so sehr gewünscht. Ich habe sogar vorher schon mit dreien aus der Gruppe abgemacht, dass wir in so einer Situation dann richtig Gas geben. Nachdem ich meine Führung das erste mal abgegeben hatte und sich alle dahinter ausruhen konnten, lief es zunächst sehr gut und alle sind mal durch die Führung gefahren. Da hatte ich das Gefühl, dass wir bestimmt einen Vorsprung von zwei Minuten rausfahren, wenn wir so weitermachen. Leider blieb es nicht dabei und immer mehr Athleten konnten keine Führung mehr erledigen. Das stört den Rhythmus dann erheblich. Ich habe zwar immer versucht, einzuspringen und die anderen durch mein Engagement zu motivieren. Im Endeffekt glaube ich aber einfach, dass sie zum Teil einfach wirklich am Limit waren und nicht mehr helfen konnten. Der Vorsprung auf das Hauptfeld blieb die ganze Zeit konstant bei ca. 15s. Nach 20km war dann aber vorne wirklich die Luft raus. Dann habe ich mich auch zurückgehalten, weil ich wusste dass wir gleich eingeholt werden würden.
Das hiess also noch 20km im Hauptfeld mitrollen und so gut wie möglich auf das Laufen vorbereiten. Allerdings habe ich sofort bei den Sprints an den Wendepunkten gemerkt, dass ich schon sehr viel Kraft gelassen habe bei der Arbeit an der Spitze. Am Ende bin ich auch nur in Mitten des Feldes in die Wechselzone gerollt.

Zuerst habe ich mich also beim Laufen vorarbeiten müssen, da ich schon in den Top10 mitlaufen wollte. Dabei wollte ich aber nicht auf den ersten Kilometern schon zu viel Kraft lassen und bin deshalb konstant an die Spitze heran gelaufen. Nach 2,5km war ich dann am hinteren Schwanz der Spitzengruppe dran. Doch dann wurden meine Beine immer schwerer und ich musste bald schon abreissen lassen. Ein oder zweimal habe ich dann noch versucht, mit Athleten mitzulaufen, die mich überholten. Aber bald hatte ich gar keine Kraft mehr in meinen Oberschenkeln und konnte meine Beine einfach nicht mehr schnell nach vorne ziehen. Ich bin also so richtig explodiert. Am Ende habe ich nur auf den letzten 7,5km ca. sechs Minuten auf den Sieger verloren. Ein unvorstellbar grosser Abstand. Der Stecker war nach 2,5km einfach gezogen.

Es ist natürlich immer schwer zu sagen, an was es dann wirklich gelegen hat. Aber man kann schon relativ sicher davon ausgehen, dass ich auf dem Rad während der ersten 20km einfach zu viel gearbeitet habe und dass mich das schnelle anlaufen dann einfach gekillt hat. Nach dem Rennen in Tongyeong habe ich mit meinem Trainer bereits abgemacht, dass ich diesmal nicht übermotiviert und grundlos zu viel Arbeit mache. Aber die Situation war natürlich eigentlich perfekt. Eine zehnköpfige Spitzengruppe könnte eben zu einem richtig grossem Erfolg führen, zumal ich in der Gruppe wahrscheinlich der stärkste Läufer war. Aber ich kann halt schlecht beeinflussen, wie stark die anderen fahren können. An Weltcup-Rennen sind eben fast ausschliesslich die Leute, die in der WTS bei den ersten beiden Disziplinen immer den Anschluss verlieren, aber gut Laufen können. Da passe ich einfach nicht gut rein. Aber nächstes Jahr starte ich dann zum Glück in der WTS und kann meine Stärke in den ersten beiden Disziplinen, die ich mir dieses Jahr erarbeitet habe, dann hoffentlich gewinnbringend nutzen.

Jetzt stehen erstmal drei Wochen Saisonpause an, bevor ich wieder ins Trainingslager fliege. Ich werde während der Pause nochmal eine Rückschau auf die Saison 2016 veröffentlichen.


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