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Bundesliga Tübingen

2017-08-06

Der zweite Wettkampf der Triathlon Bundesliga fand in Tübingen statt, wo wie jedes Jahr tausende Menschen zum Zuschauen und Anfeuern gekommen sind. Die Atmosphäre dort ist schon echt genial. Man muss es auch erst mal schaffen, eine von zwei zentralen Brücken in der Stadt zu sperren um dort die Wechselzone aufzubauen. Auch vom Flair ist Tübingen als Studentenstadt für einen solchen Wettkampf einfach perfekt geeignet.

Ich war wie schon beim ersten Bundesliga-Wettkampf nicht perfekt vorbereitet, da mein Fokus voll auf den Weltcup am folgenden Wochenende gerichtet war. Jedoch war ich im Vergleich schon ein bisschen lockerer und deswegen auch besser in Form als vor zwei Wochen. Insgesamt habe ich natürlich weiterhin einen riesigen Trainingsrückstand nach meinen acht Wochen ohne gutes Training. Aber ich gebe einfach immer alles und versuche das beste aus der momentanen Situation zu machen.

War das Schwimmen in Münster vor zwei Wochen noch sehr weit unter meinen Ansprüchen, ging es diesmal schon ein ganzes Stück besser. Auch wenn ich im Training noch merke, wie weit ich von meiner Topform entfernt bin, hat es trotzdem noch ausgereicht, um relativ schnell in den Zug der schnellen Schwimmer zu springen. Besonders am Anfang hatte ich aber noch Probleme, die ganz hohen Geschwindigkeiten zu schwimmen. Nach 200m konnte ich dann aber von meiner Grundlage im Schwimmen profitieren und an einigen vorbei schwimmen und mich so nach der Wendeboje im Neckar an Position sechs positionieren. Leider hat der vor mir schwimmende Athlet eine kleine Lücke aufgehen lassen und vier Athleten konnten enteilen. Ich habe zwar kurz darüber nachgedacht, aber ich war noch nicht mutig genug, das Loch zu zu schwimmen.

Ich kam also an der Spitze des Verfolgerfeldes aus dem Wasser. Nach einem schnellen Wechsel (nicht so lahm wie in Tübingen) konnte ich relativ schnell eine Gruppe aus vier guten Radfahrern um mich scharen und wir machten uns auf die Verfolgung der Vier-Mann-Spitzengruppe. Unsere Gruppe lief echt gut und die 35 Sekunden auf die Spitze hatten wir bereits nach ca. drei Kilometern aufgeholt. Die die Spitzengruppe aber nicht so dynamisch lief und dort nicht alle Athleten so einsatzbereit waren, ging der Schwung dann etwas verloren. Bereits die ganze Zeit war ein Hauptfeld ca. zehn Sekunden hinter uns hergefahren. Der kurze Verlust der Dynamik hat dann dazu geführt, dass bereits ein Athlet von unserem Team noch zu uns vorspringen konnte und wir dann nach weiteren drei km auch gestellt wurden. Danach war es wie so oft in der Bundesliga ein Riesen-Feld mit 50 Mann in dem so gar nichts passierte. Da ich noch nicht die Über-Rad-Form habe, habe ich eine weitere Attacke lieber weggelassen. Das kommt dann wieder, wenn ich etwas mehr trainiert habe. Zum zweiten Wechsel konnte ich mich diesmal auch schon weit vorne platzieren, so dass ich an Position fünf in die Wechselzone fuhr. Auch der zweite Wechsel lief diesmal schon sehr gut. Ich brauche einfach immer den ersten Wettkampf der Saison, um eine Routine für die ganzen Abläufe zu erlangen.

Beim Laufen habe ich dann versucht, mich irgendwie in der Spitzengruppe zu halten. Die Laufstrecke war leider so gar nicht meins. Zum einen geht es ausschliesslich bergauf oder bergab. Lediglich ca. 200m von den 5km sind eben und man kann eigentlich nie so richtig ins "Rollen" kommen. Mit so extrem bergigen Strecken habe ich als eher schwerer Athlet natürlich Schwierigkeiten im Vergleich zu zehn Kilo leichteren Athleten. Zudem war der Kurs extrem verwinkelt und eng. Ich komme grundsätzlich beim Laufen schon sehr auf der Aussenseite meines Fusses auf. Wenn ich mich dann noch in die ganz engen Kurven legen muss, ist der Fuss schon fast senkrecht zum Boden orientiert, was natürlich nicht angenehm für die Gelenke ist. Deswegen verliere ich leider auch an jeder Ecke zwei bis drei Meter auf die anderen Athleten. Zudem gab es noch viel Kopfsteinpflaster, so dass sich der Lauf für mich eigentlich komplett wie mit Eiern unter den Füssen angefühlt hat. Aber was soll man machen, nur weil die Strecke nicht perfekt für mich gemacht ist, heisst das natürlich nicht, dass ich nicht alles gebe und um jeden Platz kämpfe, um insbesondere für mein Team das Beste rauszuholen. Ich habe mich also über die Steigungen und durch die Ecken der Innenstadt gequält und mit meinem 17. Platz dazu beigetragen, dass unser Team in der Tageswertung erneut den dritten Platz gewonnen hat. Damit sind wir weiterhin zweiter in der Bundesliga-Tabelle und haben eine geniale Ausgangsposition, um in den letzten beiden Rennen zum ersten mal in der Team-Geschichte das Podium der Bundesliga zu entern.

Am Dienstag fliege ich direkt nach Mexiko wo am Samstag der erste Weltcup der Saison für mich ansteht. Darauf habe ich mich ja vorbereitet, so gut es eben in der kurzen Zeit ging. Ich werde versuchen, einfach alles aus meinem Körper raus zu kitzeln, was da momentan drin steckt. Auf keinen Fall werde ich mich verstecken, nur weil ich mal nicht in Topform bin. Mental kann man ja auch über viel hinweg kämpfen.


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