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Bundesliga Rügen

9.09.2017

Finale in Binz

Rügen war mir bisher nur als Ferienort bekannt, selber war ich aber noch nie so weit nördlich in Deutschland. Mit dem Zug ging es sehr komfortabel ohne Umsteigen von Erlangen bis ins Ostseebad Binz. Ab Berlin war für mich alles Neuland, so dass ich auch mal neue Seiten von Deutschland kennenlernen durfte. Besonders, als ich dann über die Brücke nach Rügen gefahren bin, habe ich mir gedacht, dass man da bestimmt toll Urlaub machen kann. Und das obwohl mich die Insel mit kalten Temperaturen, Wind und Dauerregen empfangen hat.

Insgeheim habe ich mir aber schon die ganze Zeit gewünscht, dass es solche Bedingungen auch beim Rennen geben wird. Zum einen liegen mir solch widrige Bedingungen, weil es dann für alle härter wird und man mehr mit Willen und Entschlossenheit erwirken kann. Zum anderen wollte ich meine neue Ausrüstung endlich mal unter diesen Bedingungen testen. Auf meinem "Vial Race Evo" von Benotti habe ich einfach ein tolles Gefühl, weil es so leicht aber zugleich unheimlich steif ist. Da habe ich das Gefühl, dass ich mit jeder Bewegung am Lenker oder Sattel instantan weiß, was am Boden passiert. Der grösste Vorteil sind aber meine "ONE Pro" Tubless Reifen von Schwalbe, die ich in dem Fall mit nur 5 bar fahren konnte. Damit hat man natürlich unheimlich viel mehr Grip auf der Strasse als alle anderen mit 11 bar auf ihren Schlauchreifen.

Da ich in den letzten Wochen wieder mit Grundlagen angefangen habe, war ich von der Spritzigkeit her natürlich nicht auf tollem Niveau. Dafür habe ich mich nach vielen guten Kilometern, die ich auch qualitativ hochwertig gestaltet habe, seit langer Zeit wieder kraftvoll gefühlt. So dass ich auf jeden Fall kein allzu schlechtes Rennen machen sollte. Für mich liegt der Fokus natürlich aber auf den Asien-Rennen im Oktober/November. Für unser Team ging es aber darum, zum ersten mal in unserer Geschichte das Podium der Bundesliga-Gesamtwertung zu erreichen. Dementsprechend motiviert war ich, meinem Team so gut wie möglich zu helfen.

Am Wettkampftag hat es zwar die ganze Zeit geregnet. Vor unserem Rennen hat es dann aber zu meinem Bedauern aufgehört und die Strecke ist abgetrocknet. Nichtsdestotrotz habe ich mich am späten Nachmittag dann mit meinem neuen Neopren-Anzug von TRI11 in die Fluten der Ostsee gestürzt, die leider nicht so wellig war, wie ich mir es erhofft hatte. Eigentlich hatten wir ausgemacht, bei dem Team mit den schnellsten Schwimmern und Radfahrern zu stehen, jedoch wurde bei uns der Plan kurzfristig über den Haufen geworfen und wir standen ganz auf der anderen Seite. Das hat sich auch sofort gerächt, denn auf der anderen Seite konnte man einfach 15m weiter ins Meer laufen. Als ich nach 50m zum ersten mal nach rechts geschaut habe war ich etwas schockiert, dass ich zwar in meiner Umgebung alleine auf weiter Flur war, die andere Seite jedoch bereits 10m Vorsprung hatte. So kam ich erst etwa an 20. Position an die erste Boje. Ich hatte aber ein tolles Gefühl in meinem neuen Neo AIR2 und konnte so auf dem Rest der Strecke noch kontinuierlich an vielen vorbei schwimmen und als 8. aus dem Wasser steigen, gerade noch so mit Anschluss an die Spitze. Mit einem guten Wechsel bin ich dann auch als sechster aufs Rad gesprungen.

Auf dem Rad habe ich sofort versucht, die Initiative zu ergreifen, insbesondere weil es ein schwerer Kurs war und direkt nach der Wechselzone ein anspruchsvoller Berg zu bewältigen war. Sowas hat man ja nicht allzu oft in der Bundesliga. So war ich am höchsten Punkt mit nur noch vier Begleitern auf der Verfolgung des schnellsten Schwimmers. Zehn Sekunden hinter uns fuhr noch eine kleine Gruppe, in die auch noch viele Favoriten den Sprung geschafft hatten. Alle Anstrengungen zum Trotz war es leider wie so oft in der Bundesliga, dass viel zu wenige Athleten bereit oder in der Lage dazu sind, richtig gut zusammen zu arbeiten auf dem Rad. Nachdem ich eine ganze Minute alleine an der Spitze der Gruppe fahren musste, ist dann auch die zweite Gruppe zu uns aufgeschlossen, die natürlich gut zusammen arbeitete um uns einzuholen. Dann war meine nächste Hoffnung, dass sich wenigstens diese nun gebildete 15 Mann Spitzengruppe zusammenschliessen würde um den Vorsprung auf die weiteren Verfolger auszubauen. Leider hat auch das nicht geklappt, da immer wieder Athleten nicht in die Führung fahren wollten. Ich weiss zwar nicht, wie das grosse Hauptfeld dahinter noch schlechter zusammen arbeiten konnte, aber wir haben dann unseren Vorsprung sogar noch ein bisschen ausgebaut. Auf der letzten von vier Runden hat es dann auch noch das Regnen angefangen. Dann habe ich richtig gemerkt, was Tubless-Reifen und das beste Rad auf dem Markt ausmachen. So langsam wie die anderen gefühlt um die Kurven gefahren sind, habe ich mich gefühlt, als ob wir eine lockere Tour machen. Aber das Gefühl kam wohl eher davon, dass eben mein Material einfach besser war für die Bedingungen. Kurz vor der Wechselzone bin ich dann noch eine Rechts-Links-Kombination über Pflastersteine an der Spitze gefahren und hatte plötzlich 10m Vorsprung. Deswegen konnte ich auch mit Abstand in die zweite Wechselzone fahren und dann mit ca. 20m Vorsprung rauslaufen.

So einen Vorsprung vor einer Gruppe hatte ich nach dem Wechsel noch nie, das war ein tolles Gefühl. Dann konnte ich die anderen erstmal heran laufen lassen und konnte mich so aus der ersten Hektik heraushalten. Als ich dann von den schnellsten Läufern überholt wurde, habe ich aber schon zu spüren bekommen, dass ich keine schnellen Läufe gemacht habe in letzter Zeit. So bin ich nach 1,25 km erst einmal aus der Gruppe um die Positionen 4-8 heraus gefallen und bis auf den 12. Platz gerutscht. Nach 2km habe ich dann aber meinen Tritt gefunden und bin wieder auf den 10. Platz vorgelaufen. Nach 3km habe ich mich immer besser Gefühlt, so dass ich mich mit einem langen Zwischenspurt wieder an die Gruppe der schnellsten Läufer herangearbeitet habe. Gerade als ich deren Schwanz nach gut vier Kilometern erreicht habe, wurden die Beine aber wieder schwerer. Gleichzeitig hat in der Gruppe eben auch das Ausscheidungsrennen zum Ziel begonnen. So konnte ich mich da nie wirklich reinzwängen. Im Zielsprint habe ich mit allen Kräften aber noch den tollen siebten Platz erkämpfen mit einer Zehntelsekunde vor dem nächsten Athleten.

Ich persönlich war mit meinem Rennen sehr zufrieden für die Trainingsphase, in der ich mich befinde. Endlich fühle ich mich wieder kraftvoll und das Agieren im Wettkampf hat richtig Spass gemacht. Zudem freue ich mich riesig, dass ich mit dem guten Ergebnis meinem KiologIQ Team Saar zur ersten Bundesliga-Podestplatzierung der Vereinsgeschichte verhelfen konnte. Auch habe ich endlich wieder die standardmäßige Top10 Platzierung gemacht, die ich meinem Team eigentlich immer versprochen habe, in den ersten beiden Rennen aufgrund diverser Rückschläge nicht einhalten konnte. Ende gut, alles gut, sage ich mal.

So schön es auf Rügen auch ist, mussten wir leider am nächsten Tag die beschwerliche Reise von 12h auf der Autobahn zurück nach Saarbrücken antreten. Mein Plan für die nächste Zeit ist eine Woche Urlaub/Grundlagentraining in der Schweiz mit meiner Freundin und dann ein dreiwöchiges Trainingslager auf Zypern um mich perfekt auf die Saison-Highlights in Asien vorzubereiten. Ihr hört wie immer von mir auf Facebook. ;-)


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